Programmkalender 2021

konferenztag: Donnerstag, 2. September

Künstlerische Verwandtschaft (Safer Space)

Safer Space in englischer Lautsprache mit englischen Untertiteln und Verdolmetschung in deutsche Laut- und Gebärdensprache

Sindri und Jo sind freischaffende Künstler*innen im Feld Performance und Choreographie. Als sie sich trafen, war es Liebe auf den ersten _____ . Sofort erkannten sie einander als verwandt und es war offensichtlich, dass sie viel miteinander teilten: nicht nur, aber auch ihre gelebte Erfahrung von Sehbehinderung, die Beschäftigung mit der Erweiterung von Tanz und Performance über die visuelle Welt hinaus durch Berührung, Sound oder andere künstlerische Mittel, eine tiefe Liebe für Unfug und einen bizarren Sinn für Humor. Gemeinsam mit uns werden sie über ihre künstlerischen Praktiken sprechen und diese Gespräche und Verbindungen weiterführen.

Anmeldung per E-Mail: winter@sophiensaele.com


Safer Spaces
Unsere Safer Spaces sind für behinderte und taube Teilnehmer*innen, während die öffentlichen Veranstaltungen für behinderte, nichtbehinderte, taube und hörende Menschen offen sind.
Wenn du über nichtbehinderte und hörende Privilegien verfügst, bitten wir dich zu respektieren, dass diese Veranstaltung nur für behinderte und taube Menschen ist. Wir erkennen an, dass nicht alle Menschen, die wir in diesem Raum willkommen heißen möchten, sich mit den Begriffen „behindert“ und „taub“ identifizieren, sondern stattdessen anderen Begriffe nutzen (z.B. chronisch krank, neurodivers, verrückt etc.). In diesen Safer Spaces möchten wir Räume für Empowerment schaffen und den Druck, sich an die nichtbehinderte und hörende Mehrheit anzupassen, verringern.


Jo Bannon, eine weiße behinderte Frau mit Albinismus, schaut geradeaus in die Kamera. Sie trägt rosa Lippenstift, schwarze Mascara und ein dunkelgrünes Oberteil, das ihre Schultern freilässt. Ihr Gesicht wird von ihrem weißen Haar umrahmt, dass sie geöffnet und mit Pony trägt.

Jo Bannon ist eine britische Künstlerin, die in den Feldern Performance, Choreographie und Live Art arbeitet. In ihren Arbeiten beschäftigt sie sich mit Identität, sinnlicher Wahrnehmung und zwischenmenschlicher Begegnung und erforscht wie unsere physischen Körper die Welt um uns erfahren und wie diese sensorische Erfahrung (nicht) vermittelbar ist. Ihre Arbeit ist geprägt durch ihre Identität als behinderte Frau mit Albinismus und versucht, die Art und Weise wie wir unsere unmittelbare Umgebung sehen, hören und wahrnehmen zu entschlüsseln, um diese inneren menschlichen Verhaltensweisen neu zu denken oder zu verfremden. Bannons Arbeit ist geleitet von der Form und nimmt so unterschiedliche Medien an, wie intime Begegnungen für Einzelpersonen oder ein kleines Publikum, Bühnenperformances, Tanz, Film oder Installationen.

Sindri Runudde ist ein*e schwedische*r Tänzer*in und Choreograph*in. Charakteristisch für Sindris Arbeit ist die multisensorische Annäherung an den Körper als lebendiges Archiv. Sindri lädt Künstler*innen in die eigenen Prozesse ein, um gemeinsam mit ihnen zu untersuchen und zu problematisieren, wie wir unsere Umwelt durch unsere Sinne und unsere Wahrnehmung erfahren. Zentral ist dabei eine musische und auditive Methode und Perspektive. Sindris Arbeit verbindet mehrere Felder und reicht von Sound Art über Bildende Kunst bis hin zu Performance. Ausgebildet in zeitgenössischem Zirkus und Tanz hat Sindri bereits mit vielen Kompagnien und Institutionen gearbeitet und die eigenen Arbeiten sowohl innerhalb Schwedens als auch international getourt.

Behinderung und Kolonialismus – Nervöse Intersektionen der Ungewissheit

Öffentliches Gespräch in portugiesicher Lautsprache, englischer Lautsprache mit englischen Untertiteln und Verdolmetschung in deutsche Laut- und Gebärdensprache

In diesem Gespräch werden Anajara Amarante und Carolina Teixeira erkunden, was zu erwarten ist, wenn wir Behinderungen und die Differenzen zwischen dem Globalen Süden und dem Globalen Norden verknüpfen. Gemeinsam stellen sie sich und uns die Frage: Was ist Kolonialismus, außer einem Wort, das Taktiken der Dominanz und Unterwerfung von Individuen beschreibt?

Anajara Amarante, eine queere brasilianische Frau im Halbprofil. Lächelnd trägt sie ihre braun-rötlichen Haare hochgesteckt, Piercings in Ohr und Nase, schwarze Mascara, rosa Lippenstift und schwarze Jacke mit weiß gemustertem Kragen.

Anajara Amarante ist eine multidisziplinäre Künstlerin, primär auf das Feld der performativen Künste konzentriert, mit Vorbildung in den Bereichen Biologie und Kommunikation, Felder, die ihre Arbeit immer wieder unterschwellig beeinflussen. Brasilianisch, geboren mit dem Privileg, Essen auf dem Tisch zu haben, aber arm genug, um auf öffentliche Schulen zu gehen und seit dem 15. Lebensjahr zu arbeiten. Sie wählte das Leben als Immigrant*in, eine Wahl, getroffen aufgrund der Umstände, die sie als Frau, queer und chronisch krank, umgeben. Ihre Arbeitsinteressen sind die, mit denen sie sich aus persönlichen Gründen und ihrer Ausbildung leicht verbunden fühlt. Im Moment fokussiert sich ihre Arbeit auf abweichende Körper, insbesondere behinderte, queere und migrantische Körper.

Schwarz-weiß Fotografie von Carolina Teixeira, einer brasilianischen Frau, die im Freien in der Hocke sitzt. Sie schaut nach unten auf eine Reihe von Prothesen und Orthesen, die vor ihr auf dem unbedeckten Boden liegen.

Carolina Teixeira ist eine brasilianische Künstlerin mit einem Doktor in Performing Arts von der Federal University of Bahia. Sie erforscht und kritisiert den dominanten Diskurs über Behinderung als eine prosthetischen, also einen konventionellen Diskurs, der den behinderten Körper zwingt, Korrektur, Zwang und Aneignung zu erleiden. Daher hat sie das künstlerische Projekt Prosthetics Poetry ins Leben gerufen. Es widmet sich der Beziehung von Behinderung und städtischen Räumen oder Landschaften, die sie als deformierte geografische Räume identifiziert. Sie erforscht die Auflösung normativer Körper durch die Nutzung von Prothesen und Orthesen – Objekte, welche die Metapher der Korrektur, des Zwangs, der Ordnung und der Sabotage symbolisieren.